Ein Touch-Screen am Tisch nimmt elektronisch die Bestellung auf, Minuten später fahren die Bratwurst und das Bier über Schienen auf dem Tisch ein: „’s Baggers“ ist ein originelles Lokal in der Industrie-Einöde Schmalau am Rande von Nürnberg. Die Speisen sind lecker und die Kids ruhig gestellt – denn wo kann man sonst schon ungestraft Computer spielen bis das Essen da ist?
Es ist eine kleine Weltreise. U-Bahn bis Rathaus, Bus 179 nach Bisloe Nord. Und der fährt außerdem nur einmal in der Stunde. Also großen Hunger darf man nicht haben, wenn man sich als Nürnberg-Besucher auf die Suche nach dem trendigen computerunterstützten Selbstbedienungsladen begibt. Mitten im Industriegebiet finden wir den poppig aufgemotzten Container-Bau. Zum Glück haben wir vorreserviert – denn fast alle Tische mit dem lustigen Schienensystem sind besetzt.
Jeder von uns bekommt beim Eingang eine Plastikkarte – für die Kids gibt’s eigene, wo die Bestellung alkoholischer Getränke gesperrt ist. Eine nette Kellnerin (?) bringt uns zum Tisch und erklärt uns, wie’s geht: Am Touch-Screen die Sitzplatznummer wählen, sich durch die elektronische Speisekarte klicken, Anzahl der Speisen und Getränke angeben und zur Bestätigung der Bestellung die Chipkarte in den Schlitz stecken. Das war’s.

Die Kids entwickeln plötzlich ungeahnten Appetit. Suppe? „Klar wollen wir die, Mama!“ Gemüse? „O jaaaaa – aber nur wenn ich selber bestellen darf!“ – Wusste gar nicht, dass Computer spielen hungrig macht.
Ich hab’ keine Zeit mich zu wundern, denn schon kommt mein Bier angefahren, bremst sich aber zwei Meter von mir entfernt ein. Die nette Kellnerin (?) muss nachschieben. Ein Schluck, dann fährt auch schon mein Steak ein- das Transportgeschirr schafft’s direkt zu mir. Jetzt hab ich die Wahl: Gleich aus dem Geschirr essen (für diesen Zweck ist das Besteck extra lang) oder auf den Teller umschaufeln. Mein Hunger ist groß, also erspare ich mir das. Mmh. Nicht schlecht das Steak, das auf der Karte übrigens „Rumbschdeeg mit Gräuderbudder“ heißt. Aber ein bisschen klein. Kostet aber auch nur 7 €. Und dass die Speisen so klein sind, dafür gibt’s zwei Gründe: Erstens, damit sie ins schientaugliche Geschirr passen. Zweitens: damit man öfter bestellen kann. Das freut den Spieltrieb im Gast und den Wirt.
„Arbeitsplatzvernichtend ist unser Konzept bestimmt nicht“, sagt die Kellnerin (?). „Wir sind immer zu zweit hier – und haben genug damit zu tun, den Gästen bei der Bedienung der Computer zu helfen.“ Oder auch für Nachschub im wahrsten Sinn des Wortes zu sorgen, wenn mal wieder ein Bier stecken bleibt. Ein Service-Techniker ist übrigens auch meist in Reichweite. Nicht auszudenken, was passiert, wenn die Küche aufgrund eines PC-Ausfalls einmal nicht mehr weiß, welche Speise sie auf welche Schiene bringen soll. Das wäre dann ungefähr so eine Katastrophe, wie wenn ein österreichischer ÖBB-Schaffner ungarische Fahrgäste aus einem voll besetzten Zug hinauskomplimentiert.


