Das Potenzmittel Viagra feiert zehnten Geburtstag, steht heute in meiner Lieblingszeitung KURIER. Da fällt mir das größte Potenz-Monument ein, das mir je auf Reisen begegnet ist: Die Statue des Shravanabelagola-Tempels im indischen Staat Karnataka. Deren Gemächt erreicht schon seit 1000 Jahren ungeahnte Ausmaße, als von Viagra noch lange keine Rede war.
17 Meter ist die Statue hoch, sein Riesen-Gemächt schafft locker die Ein-Meter-Latte. In statisch-stoischer Ruhe hängt es herab, doch die Pilger der Jain-Religion kümmert’s wenig: Sie singen, beten und segnen zu Füßen des Riesen.
614 Steinstufen gilt es zu überwinden, bis man den Hügel mit dem Mega-Monolith erklommen hat. Die Schuhe müssen im Tal bleiben. Für die Faulen und Fußwehen gibt’s Sänften-Shuttle.
Ich war nicht faul und bin brav zu Fuß gegangen – gerade rechtzeitig, denn die Zeremonie hat schon begonnen. Beschauliche Gesänge werden von einer Art Bontempi-Keyboard begleitet, dazu wacheln Priester mit goldenen Schüsseln. Schließlich stellen sich alle an, um gesegnet zu werden. Ob sie sich ähnliche Wirkungen erwarten wie wir Europäer vom Wundermittel Viagra? Ich weiß es nicht. Jedenfalls werde auch ich gesegnet, bekomme Jasminblüten aufs Haupt gestreut und darf am Ende einer exklusiven Darbietung des Bontempi-Keyboard-Spielers lauschen: Der hat nämlich uns Europäer erspäht und klimpert uns zu Ehren „Stille Nacht“. Mit vielen falschen Tönen zwar, aber mit Inbrunst, und immerhin ist die Melodie zu erkennen.



Ein klasse Bericht, welcher mich echt zum schmunzel bringt.