Meine Burgund-Reise führte mich auch zu einer echten Herzogin. Im etwas schrullig vollgeräumten Schloss Sully aus dem 16. Jahrhundert gewährte mir Ihre Hoheit Herzogin Amélie von Magenta Audienz.
Die feine, fröhliche Dame bewohnt das Anwesen alleine mit ihren vier Hunden. Ihr Mann, Herzog Philippe von Magenta, verstarb vor ein paar Jahren, und ihre Kinder studieren auswärts.
Für Unterhaltung der Besucher und wohl auch der Herzogin sorgt Thomas, Schauspieler, guter Freund des Hauses und Schloss-Guide mit perfektem Deutsch.
Der junge Mann pflegt für Kinderfeste schon einmal ins Prinzenkostüm zu schlüpfen und die Herzogin beantwortet geduldig die Fragen der großen und kleinen Besucher. Etwa wie „Müssen Sie sich selbst kämmen?“
Mir verriet Ihre Hoheit, dass sie vor allem in der kalten Jahreszeit am liebsten im Badezimmer zu verweilen pflegt: Denn dort ist es – im Gegensatz zum Rest des Schlosses – angenehm warm.
Dabei ist die edle Dame durchaus Schlechtwetter gewöhnt: Die Herzogin stammt nämlich aus Schottland und lernte ihren Märchen-Herzog auf einem Kostümfest in Deutschland kennen.
Das alles und vieles mehr kann man mit etwas Glück von der Herzogin selbst erfahren. Denn sie verwaltet nicht nur das Schloss und die dazu gehörenden Weingüter, sondern vermietet auch einzelne Räume für Feste und lädt mitunter auch selbst zur Weinverkostung.
Das Schloss gehörte geht übrigens auf den Namen des römischen Feldherrn Sullius zurück. Das Renaissance-Schloss wirkt nicht wie ein Museum, sondern wie ein etwas zu angeräumtes Anwesen. So ist etwa angeblich ein Handschuh von Marie Antoinette zu besichtigen oder das angeblich erste Telefon in Frankreich, erzählt zumindest der witzige Führer Thomas, von dem auch noch allerlei herzögliche Anekdoten zu hören sind. Etwa, dass ein Vor-Besitzer des Schlosses daran finanziell zu Grunde ging, dass er seiner Geliebten eine goldene Badewanne geschenkt hatte.





