Die Pyramide von Kopenhagen
Mai 7, 2008 von rajchl
Die Dänen sind, wie ich gerade in Kopenhagen erleben darf, ein gemütliches Volk, das sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Auf sechs Kopenhagener kommt nur ein Auto, und dementsprechend ruhig ist es hier. Die Gemütlichkeit hört sich allerdings auf, wenn man gegen die Ruhe und Ordnung verstößt. Das bekommen die Altlinken des selbst ernannten Freistaats Christiania inmitten von Kopenhagen schon seit den Siebziger Jahren zu spüren. Jetzt wird’s aber besonders ernst. Denn die konservative Regierung hat in ganz Cristiania einen Baustopp verhängt.
Drum könnte es bald auch der Pyramide von Kopenhagen an den Kragen gehen. Der Abbruchbescheid ist auf 5. Mai 2008 datiert, doch auch einen Tag später steht das imposante Holzhäuschen noch halbfertig da. “Wir proben hier zivilen Ungehorsam”, sagt unser Guide Kirsten, eine Art rothaariger 68er-Pippi-Langstrumpf-Verschnitt. “Sogar der Finanzminister war schon hier und hat sich unsere Pyramide angesehen. Der fand das Bauwerk gar nicht schlecht.”
Christiana ist auch eines der letzten heißen Pflaster, wo noch Hasch gehandelt wird - dafür gibt’s sogar einen “Spielplatz der Erwachsenen”. Denn Ordnung muss auch in Christiania sein. Das merkt man auch an der strikten Führung durch das ehemalige Militärgelände, das 1971 von jugendlichen linken Besetzern okkupiert wurde und inzwischen von der Regierung vertraglich fixiert mehr oder weniger akzeptiert wurde. Kirsten fordert uns auf, in einem Raum, der wie eine Schule aussieht, auf Bänken Platz zu nehmen, um uns wie eine Lehrerin über die Geschichte von Christiania zu “unterrichten”. Danach geht’s durch das alternative Künstlerviertel, wobei große Schilder auf das strenge Fotografierverbot hinweisen.
Wir besuchen allerlei alternative Fabriken, Geschäfte, Lokale, sehen eine Reihe von selbst gebauten idyllischen Eigenheimen am Wasser und stellen fest: In Dänemark ist sogar die Anarchie geordnet.


