… nicht im Fußball, aber in punkto Lebensqualität. Sagt eine weltweite Studie, und ich muss ihr Recht geben. Was die Schwyzer vielleicht ein bisserl zu hinterwälderisch sein mögen, macht Zürich durch zur Schau getragene Weltoffenheit wett. Hier gibt’s Multi-Kulti trotz geringer Ausländer-Quote, hier gibt’s alternative Viertel trotz horrender Mietpreise. Hier steht außen drauf, dass es drinnen kein Marihuana gibt. Und hier hat Lenin die sozialistische Revolution vorbereitet. Ausgerechnet.
Ein kleiner Streifzug durch die Stadt:
Das „Zürifäscht“ ist das größte Spektakel der Schweiz – mit 60 Musikbühnen, 340 Markt- und essständen, 150 Vergnügungsbetrieben und zwei Riesenfeuerwerken. Es findet alle zwei Jahre statt. Geheimtipp für Udo Jürgens-Fans: Wer mit dem Riesenrad auf dem Bellevueplatz fährt, hat Chancen, die Wohnung des Schlagerstars mit dem charakteristischen weiße Klavier zu erspähen.
Airport-U-Bahn: Zürich ist die einzige Stadt der Welt, die sich eine U-Bahn nur für den Verkehr zwischen Airport-Terminals leistet. Die Zwei-Minuten-Fahrt ist ein kurioses Erlebnis – mit „Bergblick“, Ziehharmonikamusik, Jodler, Kuhglocken und herzhaftem „Muuuuhhhhh!“
Die S-Bahn vom Flughafen zum Zentrum (Hauptbahnhof) ist zwar weniger originell, dafür aber schnell: In einer Viertelstunde ist man mitten in der City.
Bahnhofstraße: Die Klischee-Zone mit (teuren) Geschäften, Sprüngli-Schoko-Shop, Banken und gestressten Managertypen.
Platzspitz: ein gepflegtes Stück Grün vor dem Schweizer Landesmuseum. Einst Schauplatz der Drogenszene, heute ein friedlicher Park zum Relaxen.
„Klein-Venedig“ per Velo: Der Fluss Limmat bringt einen Hauch Venedig in die Stadt. Am Ufer locken trendige Lokale (wie etwa der Club Dynamo – ein alter DDR-Eisenbahnwagon), eine Schau-Schmiede für Familien und ein 15 Kilometer langer Radweg. Gratis-Leih-Velos, wie die Zürcher ihre Fahrräder nennen, gibt’s am Bahnhof. Außerdem kann man den Limmat auch per Schiff erfahren – ohne Aufpreis mit der normalen 24-Stunden-Netzkarte oder teurer abends mit Musik und Dinner.
Fahrt mit der Polybahn: Vom Platz Central fährt die Polybahn, ein 110 Jahre altes Bergbahn-Kuriosum, das eigens für die Technikstudenten errichtet wurde. Vom Uni-Hügel aus hat man einen tollen ausblick auf Zürich. Außerdem kann man hier das Zoologische Museum zum Nulltarif besuchen.
Karl Schmid-Straße 4,
www.uniozh.ch/zoolmus
Barfüsser und andere Trend-Lokale: Im Altstadtviertel rund um die Brunn-Gasse, Froschau-Gasse und Neumarkt sind nette kleine Lokale wie Perlen aneinander gereiht. Das „Barfüsser“ war einst verruchte Schwulen-Bar und bietet heute feine Sushi im modernen Design. Im Theater am Neumarkt werden freche zeitgenössische Produktionen gezeigt. Auch Elfriede Jelinek steht hier am Spielplan.
www.theaterneumarkt.ch
Lenin in Zürich: Im Haus Spiegelgasse 14 wohnte der kommunistische Revolutionär Lenin während des 1. Weltkriegs und bereitete dort den Umsturz vor. Heute zeugt eine Tafel und eine kleine Leninbüste vom berühmten Exilanten. Im Gassenlokal „AHA“ bietet ein Designerladen Spielzeug und Plexi-schmuck.
www.aha-zurich.ch
Wiege des Dadaismus: Das Dada Bar alias Cabaret Voltaire mit seiner Dada Bar in der spiegelgasse gilt als Wiege des Dadaismus. Im Keller kann man Ausstellungen dadaistischer Epigonen besichtigen. Außerdem gibt’s Lesungen, Filme und Performances.
Spiegelgasse 1,
www.cabaretvoltaire.ch
Schnapsboutique: In der „Distillerie zur Schnapsboutique“ in der Napfgasse – vis a vis des Traditions-Cafés Schober – verkauft eine entfernte Verwandte (Bild) der einstigen Wiener Schauspielerlegende Franz Stoß Hochprozentiges, das beim Nicht-Zürcher Verwirrung stiftet: So ist die „Felsenbirne“ ein Heidelbeer-Schnaps, und der „Prettigauer Röteli“ ein Kirschlikör aus Graubünden.
Napfg. 3, Tel. 004144 262 32 27
Kleider für Kleine: Das Modegeschäft C’est ca verkauft Designermode für kleine Frauen. Besitzerin Kathrin Kleboth ist selbst nur 1,54 Meter groß. „Im Pass steht aber 1,80 Meter“, verrät sie mir schmunzelnd. „Ich hab’ mit Stöckelschuhen nachgeholfen.“
Schoffelgassse 3
www.cestca.ch
Barfußbar: die 1850 erbaute Frauenbadeanstalt ist tagsüber heute noch den Frauen vorbehalten. Abends wird sie zur Barfußbar – dann dürfen auch Männer rein, aber für alle gilt dann: Schuhe ausziehen. Damit das Originalholz geschont wird.
Lindenhof – ein Hügel mit Blick über die Stadt – der älteste Teil Zürichs wurde schon von den Römern wegen seiner Lebensqualität geschätzt. Heute spielen Pensionisten hier schach, und die Jugendlichen treffen einander zum ersten veliebten Date.
Rotlicht & Multikulti: Im Viertel um die Langstraße zeigt sich Zürich von seiner bösen Seite. Hier leben immerhin zu 30 Prozent ausländer aus 160 Nationen. Straßennamen wie Fabrikstraße und Motorenstraße erinnern an die industrielle Vergangenheit des Viertels. Heute kann man hier originelle Läden und Multi-Kulti-Restaurants besuchen. Zu den kuriosesten Geschäften gehört „Werner’s Head Shop“ mit dem Schild „Wir verkaufen kein Marihuana!“ und allerlei weinschlägigen Raucherutensilien, aber auch schrägen Waren aller Art. In der langstraße gibt’s ein paar Rotlichtbars, wo tagsüber keinerlei Verkehr herrscht. Auch abends wird man hier nicht belästigt, versichern mir Anrainer.
Ein nettes Lokal ist hier der Limmathof: ein Sozialprojekt mit psychisch behinderten Mitarbeitern, die ein trendiges Restaurant mit Kino führen. Zum Frühstück bekommt man immerhin sieben verschiedene „Z’Morge“-Arrangements, wie die Schweizer das Frühstück nennen – Kosten: sieben bis 14 €. Das „Berg Z’Morge“ besteht zum Beispiel aus Bergkäse und Uetlibergerli – einer Salami-ähnlichen Wurst.
In der Limmatstraße gibt’s noch andere originelle Läden: Das „Limmatlädeli“ vis-a-vis der Löwenbräu etwa offeriert Suppen in allen Variationen. in den Nebengeschäften gibts eine originelle Radwerkstatt, Ateliers und _ ein geschlossenes Lokal mit der Aufschrift „Kein RESTAURANT mehr“. Ein trendiges Lokal? Mitnichten. Als ich klopfe, klärt mich eine junge Frau auf, dass es sich hierbei um eine private Wohngemeinschaft handelt.
Ein weiteres Sozialprojekt, wo man vielleicht das eine oder andere originelle günstige Schnäppchen bekommen kann, ist das Zürcher Brockenhaus.
www.zuercher-brockenhaus.ch




